Annotation
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Leonore:
O nein, es ist nur so kalt.
Rocco:
So mache fort, im Arbeiten wird dir schon warm werden.
(Rocco beginnt zu arbeiten. Leonore nutzt den Moment, in dem Rocco sich bückt, um den Gefangenen zu betrachten.)
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Rocco:
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben, es währt nicht lang, er kommt herein.
Leonore: '(ebenfalls arbeitend)'
Ihr sollt ja nicht zu klagen haben, ihr sollt gewiß zufrieden sein.
Rocco:
Komm, hilf, komm hilf doch diesen Stein mir heben!
Hab Acht! Hab Acht! Er hat Gewicht.
Leonore:
Ich helfe schon, sorgt Euch nicht, ich will mir alle Mühe geben.
Rocco:
Ein wenig noch!
Leonore:
Geduld!
Rocco:
Er weicht!
Leonore:
Nur etwas noch!
Rocco:
Es ist nicht leicht!
(Sie lassen den Stein über die Trümmer rollen.)
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben, es währt nicht lang, er kommt herein.
Leonore:
Laßt mich nur wieder Kräfte haben, wir werden bald zu Ende sein.
(sucht den Gefangenen zu betrachten; für sich)
Wer du auch seist, ich will dich retten, bei Gott! bei Gott!
Du sollst kein Opfer sein!
Gewiß, gewiß, ich löse deine Ketten, ich will, du Armer, dich befrei’n!
Rocco: (sich schnell aufrichtend)
Was zauderst du in deiner Pflicht?
Leonore: (fängt wieder an zu arbeiten)
Nein, Vater, nein, ich zaud’re nicht.
Rocco:
Nur hurtig fort, nur frisch gegraben, es währt nicht lang, so kommt er herein.
Leonore:
Ihr sollt ja nicht zu klagen haben, laßt mich nur wieder Kräfte haben, denn mir wird keine Arbeit schwer.
(Rocco trinkt aus dem Krug.)
Leonore:
Er erwacht!
Rocco: (zu Florestan)
Nun, Ihr habt wieder etwas geruht?
Florestan:
Geruht? Wie fände ich Ruhe?
Leonore: (für sich)
Diese Stimme!
Florestan:
Werdet ihr immer bei meinen Fragen taub sein, grausamer Mann?
(Mit den letzten Worten wendet er Leonore sein Gesicht zu.)
Leonore:
Gott! Er ist’s!
(Sie fällt bewußtlos an den Rand der Grube.)
Florestan:
Sagt mir endlich einmal, wer ist der Gouverneur dieses Gefängnisses?
Rocco:
Don Pizarro.
Florestan:
So schickt sobald als möglich nach Sevilla, fragt nach Leonore.
Florestan. Sagt ihr, daß ich hier in Ketten liege!
Rocco:
Es ist unmöglich, sag’ ich euch. Ich würde mich ins Verderben stürzen.
Florestan:
Wenn ich denn verdammt bin, hier mein Leben zu enden, so laßt mich nicht langsam verschmachten. Gib nur einen Tropfen Wasser.
Rocco:
Alles, was ich euch anbieten kann, ist ein Restchen Wein. Fidelio!
Leonore: (den Krug in größter Eile bringend)
Da ist er!
Florestan: (Leonore betrachtend)
Wer ist das?
Rocco:
Mein Schließer und in wenigen Tagen mein Eidam.
(Er reicht Florestan den Krug; dieser trinkt.)
(zu Leonore)
Du bist ja ganz in Bewegung?
Leonore: (in größter Verwirrung)
Wer sollte es nicht sein?
Rocco:
Ja, es ist wahr, der Mensch hat so eine Stimme ...
Leonore:
Jawohl, sie dringt in die Tiefe des Herzens.
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Florestan:
Euch werde Lohn in besser’n Welten, der Himmel hat euch mir geschickt.
O Dank! Ihr habt mich süß erquickt; ich kann die Wohltat nicht vergelten.
Rocco: (leise zu Leonore)
Ich labt’ ihn gern, den armen Mann, es ist ja bald um ihn getan.
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Relationships
| composer: | Ludwig van Beethoven (German composer) (in 1814) |
|---|---|
| additional librettist: | Stephan von Breuning Georg Friedrich Treitschke |
| librettist: | Jean-Nicolas Bouilly |
| translator: | Joseph Sonnleithner Georg Friedrich Treitschke |
| part of: | Fidelio, op. 72: Akt II (order: 3) |
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